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MADAGASKAR, REISE IN EIN UNBEKANNTES LAND

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Im Südwesten Madagaskars erkunden wir Naturräume in ihrer fast ursprünglichen Beschaffenheit und treffen auf das Volk der Mikea, die wie zur Zeit der Jäger und Sammler autark in einem ariden Gebiet mit Trockenwäldern und dornigen Dickichten leben. 

Die rote Insel ist eines der wenigen Länder unserer Erde, das so viel Authentizität bewahrt hat. Der Charme und die Freundlichkeit seiner Bevölkerung stehen der Schönheit seiner Landschaften und Küste in nichts nach. Ab Toliara im Süden geht es landeinwärts zu den Canyons des Isalo-Nationalparks wie auch zum Meer, wo die Vezo-Fischer leben, die sich mit ihren Kanus den Wellen des Indischen Ozeans, die sich am Korallenriff brechen, stellen. 

Es weht kein Lüftchen, die Sonne brennt heiß auf der Haut. Es herrscht vollkommene Stille. Kein Lärm, kein Vogelgezwitscher. Auf dem trockenen Kalkboden kommt man zu Fuß zwischen den Stachelbüschen, Sträuchern und kleinen Bäumen gut voran. Madagaskars Südwesten ist in der Tat sehr trocken. 3600 Sonnenstunden und weniger als 600 mm Regen pro Jahr sowie Temperaturen, die ganzjährig zwischen 27 °C und 32 °C schwanken, haben diese niedrige, trockene, karge Vegetation geformt, die im starken Kontrast zu den üppigen Regenwäldern im Norden steht.

Plötzlich raschelt es. Wir halten den Atem an. Dort sitzen ein Mann und eine Frau, beide fast nackt, mit zwei Mädchen in Kleinkindalter, die ebenfalls nackt sind. Sie gehören zu der Volksgruppe der Mikea, die völlig autark in diesem trostlosen Buschgebiet leben. Es ist unmöglich, ihr Alter zu bestimmen. Sie selbst wissen nicht, wann sie oder ihre Kinder geboren wurden. „Sie zählen die Monde nicht“, erklärt der Fremdenführer, der den Dialekt der Masikoro spricht. 

Diese Familie akzeptiert den Kontakt mit Fremden, aber die meisten Mikea verlassen den Schutz ihres Waldes nicht. Tagsüber suchen sie zu Fuß nach Nahrung, hauptsächlich Beeren und Honig. Manchmal fangen sie mit einer Schlinge aus Blattnerven ein Helmperlhuhn, ganz selten auch mal ein Wildschwein. Sie bauen keine Hütten, keinen Unterschlupf, züchten keine Tiere, bauen nichts an. Wenn es zu kalt ist, graben sie ein Loch in die sandige Erde, um darin zu schlafen, aber das ist auch alles. Um Feuer zu machen, reiben sie Zweige aneinander. Sie besitzen nichts außer einem Feuerstein und einer Pfeife. 

Sie sind richtige Jäger und Sammler, die sich in dieser Buschlandschaft mit Hilfe des Kompassbaums orientieren, dem „Sono“, eine hohe Pflanze mit langen Dornen (Didierea madagascariensis), deren Triebe vom Südwind gebogen werden und so immer Norden anzeigen.

Und wenn sie Durst haben? Mit Wasser gefüllte Wurzeln (Yamwurzeln, Dioscorea sp.), die roh verzehrt werden können, liefern die nötige Flüssigkeit. Oder sie bohren in den Stamm eines Baobabs Löcher, um daraus Wasser zu schöpfen. Der Saft, der aus dem Baum fließt, würde die meisten Madagassen krank machen, der Organismus der Mikea aber ist seit Dutzenden Generationen daran gewöhnt. Glauben Sie aber nicht, diese Jäger und Sammler seien die Überlebenden ursprünglicher Generationen. Sie sind die Nachkommen derer, die vor etwa 200 Jahren vor den Schikanen ihrer Unterdrücker flüchteten, sich in diesem Wald versteckten und beschlossen, ihn nicht mehr zu verlassen.

DER BLAUE KONTRAST

Das zwanzig Gehminuten entfernte, blaue Mosaik des Indischen Ozeans scheint fast surrealistisch. Die Kraft der Wellen, die Gischt, die Dünen, die viereckigen Segel der Auslegerkanus, auf denen die Vezo-Fischer ihre Waren transportieren, holen uns in die Wirklichkeit zurück. Die Boote sind voll beladen mit Mangos, Bananen, Ananas. Ein erstaunlicher Kontrast, wenn man bedenkt, dass die Mikea niemals hierherkommen und niemals diese Früchte kosten.

Diese Südküste ist einfach magisch. Die Reinheit des weißen Sands ist unvergleichlich. Das warme Wasser ist verlockend. Es ist wunderschön, märchenhaft, fotogen. Ein idealer Ort für einen Urlaub zu zweit. Wenn die Sonne am Horizont versinkt, hinter der glatten Fläche des Ozeans, dann halten Sie Ausschau nach dem grünen Strahl, den Jules Verne so liebte, ein kleiner grüner Blitz, der manchmal oben an der Sonne aufleuchtet, wenn sie im Meer versinkt. Es ist unglaublich romantisch, auf dieses seltene Phänomen zu warten.  

Die wenigen, kleinen Hotels sind perfekt in die Landschaft integriert. Um dort hinzukommen, braucht es Geduld. Es gibt keine asphaltierte Straße, aber die Wege können mit dem Jeep bewältigt werden. Um zur nächstgelegenen Touristenanlage zu kommen, dauert es etwa vier bis fünf Stunden.

Die Belohnung? Ein Gefühl der Einsamkeit, Freiheit und Erfüllung, ein Robinson-Crusoe-Ambiente mit dem klassischen Komfort (Essen, Zimmer, Bad), an den wir gewöhnt sind.

DIE NATUR

Auf dem Rückweg bietet sich ein Halt im Ort Mangily im Norden von Toliara an. Reniala, die „Mutter des Waldes“, so nennen die Madagassen den Jahrhunderte alten Baum, der das Symbol ihrer Insel ist: der Baobab. Mit seinem runden Stamm und seinen Zweigen, die wie Wurzeln aussehen, die aus seiner Stammspitze wachsen, ist der Baobab unverkennbar. Das sechzig Hektar große Naturreservat Reniala besitzt unzählige bemerkenswerte Baobabs, die manchmal ganz kuriose Formen haben, in denen sogar eine Symbolik zu erkennen ist: verliebter Baobab, der mit einem anderen verschlungen ist, Baobabs, die wie Teekannen, Korsagen oder Rhinozerosse aussehen. Zu sehen sind auch Lemuren wie der Katta, ein wunderschöner Früchtefresser mit langem, schwarz-weiß geringeltem Schwanz. Das Lemur Rescue Center des Parks nimmt in Partnerschaft mit den französischen Zoos unter der Schirmherrschaft der Brigitte-Bardot-Stiftung Lemuren auf, die hier wieder auf das Leben in der Wildnis vorbereitet werden. 

Wenige Autostunden weiter ändert sich das Dekor. Canyons, kleine Sandsteingebirge, deren Gipfel die 1200-m-Marke nicht überschreiten. Der Isalo-Nationalpark gehört bei Touristen aus aller Welt zum Pflichtprogramm. 

Fußwanderungen, Ausritte, Beobachten von Vögeln oder endemischen Tierarten (Lemuren, Chamäleons, Reptilien …), Baden in den Quellen sind nur einige der vielen möglichen Aktivitäten. Wer die Anstrengung nicht scheut, probiert den Klettersteigparcours oder unternimmt eine mehrtägige MTB- oder Trekkingtour.

Abends, wenn unzählige Sterne am tiefblauen Himmel leuchten und sich die Milchstraße von der völligen Dunkelheit abhebt, erfüllt uns ein seliges Gefühl der Zufriedenheit. Kein Lärm, keine Lichtquellen, nur das ganz eigene Spektakel einer grandiosen Natur. Zwischen dem rötlichen Ocker des Isalo-Parks, dem smaragd- und türkisblauen Glitzern des Indischen Ozeans, den moosgrünen Dornenwäldern hält Madagaskar, das Land der Kontraste, alle seine Versprechen. Und noch viel mehr.

Praktische Reiseinfos

Unterkunft

Mikea Lodge. Charmante Bungalows mit Dusche und WC unter freiem Himmel und mit Blick auf die Baobabs und den Indischen Ozean.

 mikealodge.com

Unterkunft im isalo

Die Satrana Lodge am Eingang zum Nationalpark am Rande der RN7 bietet 40 luxuriöse Unterkünfte im Zelt an. Afrikanisches Safari-Ambiente mit Bar und Pool.

 satranalodge-madagascar.com

Restaurant

Le Jardin de Giancarlo, in Toliara. Die unglaubliche und köstliche kulinarische Vielfalt wird unter der Leitung des Italieners Giancarlo in einem eklektischen Dekor aus Gemälden lokaler Künstler serviert.

Nützliche infos

Webseite des Fremdenverkehrsbüros von Madagaskar.

madagascar-tourisme.com/fr

Autor : Martine Carret

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