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DUBROVNIK, FILMREIFE KULISSE

DUBROVNIK IST DIE PERLE AN DER KÜSTE KROATIENS. MAL UNABHÄNGIG, MAL UNTER FREMDHERRSCHAFT, GLORREICH UND STANDHAFT ZEIGT SICH DIE STADT IM HERBST VON IHRER SCHÖNSTEN SEITE. WENN DIE TOURISTENFLUT VEREBBT, ENTHÜLLEN SICH ERNEUT GLANZ UND ANMUT EINER DER SCHÖNSTEN STÄDTE DES MITTELMEERRAUMES.

Genug ist genug! Die Altstadt diente für zahlreiche Szenen der Serie „Game of Thrones“ als Kulisse und weckte ab der zweiten Staffel das touristische Interesse an einer Stadt, die das gar nicht nötig hatte. Man muss sich vorstellen, dass im Hochsommer bis zu sieben Kreuzfahrtschiffe am Tag den Hafen anlaufen, der nur 15 Minuten mit dem Bus von der Stadtmauer entfernt ist. Zu den tausenden Kreuzfahrturlaubern gesellen sich noch die mit Auto oder Flugzeug anreisenden Touristen und nun seit 2012 zu allem Überfluss auch die Fans der beliebten Fernsehserie. Spätestens beim Betrachten der Zahl an Boutiquen und Stadtführungen, die sich auf die Fantasy-Serie spezialisiert haben, wird einem klar, wie weit der kommerzielle Tourismus dem kulturellen und geschichtlichen Erbe seinen Platz streitig macht.

EINE BEGEHRTE SCHÖNHEIT

Die Perle an der Adria zieht massenweise für ihre Schönheit blinde Verehrer an und lässt ihren Charakter im Getümmel fast ersticken. Dies sollte aber niemanden davon abhalten, diese wunderbare südkroatische Stadt zu besuchen. Allerdings ist es von Vorteil, den Urlaub außerhalb der überlaufenen Ferienzei- ten zu planen. Im Herbst zum Beispiel, wenn sich die Belagerung durch Kreuzfahrtschiffe löst, die Low-Cost-Flieger am Boden bleiben und das leuchtende Kopfsteinpflaster in den alten Stra- ßen endlich zur Ruhe kommt. Dann, ja dann blüht Dubrovnik auf. Und die Geschichte der ewigen Stadt nimmt wieder ihren recht- mäßigen Platz ein …

150 JAHRE LANG UNTER VENEZIANISCHER HERRSCHAFT

Dubrovnik blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Gegründet wurde sie im 7. Jahrhundert, nachdem die Einwoh- ner der Nachbarstadt Epidaurus (das heutige Cavtat) den Ort infolge der Slaweneinfälle als Zufluchtsstätte gewählt hatten. Unter dem Schutz von Byzanz weitete sich die Stadt aus. Die im 12. Jahrhundert befestigte Stadt kam schließlich durch ihre Handelsflotte zu Reichtum. 1204 fiel sie unter die Herr

schaft Venedigs. 150 Jahre später fand sie ihre Unabhängigkeit wieder. Das war der Beginn der berühmten Republik Ragusa. Bis ins 17. Jahrhundert hatte Dubrovnik auf Dalmatien und den Mittelmeerraum großen Einfluss, handelte mit Rohstoffen und baute in den eigenen Werften große Schiffe. Die mäch- tige Handelsflotte war in mehreren Städten vertreten, darunter Marseille, Barcelona, Tunis… In der Stadt schossen prunkvolle Paläste aus dem Boden. Dann ereignete sich 1667 das katastrophale Erdbeben und machte alles zunichte. Die im barocken Stil wieder- errichtete Stadt fand neuen Schwung, geriet dann aber nach der Annektierung an das Kaisertum Österreich im 19. Jahrhundert und bis 1918 quasi in Vergessenheit. Und das bis zur Nachkriegszeit ab 1945 mit der Ankunft der ersten Touristen zunächst aus den östlichen Ländern und später aus aller Welt.

« Bis ins 17. Jahrhundert hatte die unabhängige Republik Ragusa großen Einfluss auf Dalmatien und den Mittelmeerraum.“ »

In der Nebensaison ist es einfach herrlich, durch die Gassen zu flanieren. Im Westen erblickt man nach Durchschreiten des Pile- Tores gleich die ersten Schätze: der Brunnen von Onofrio (1438) mit seinen Fratzenköpfen mit wasserspeienden Mündern, das Kloster der hl. Klara aus dem 15. Jahrhundert, die Erlöserkirche, das Franzis- kanerkloster mit seiner Apotheke, die älteste in ganz Kroatien. Etwas weiter erreicht man über den berühmten und stets von Menschen überlaufenen Stradun, der von schönen Gebäuden aus dem 17. Jahr- hundert gesäumt ist, die Synagoge in der Žudioska-Straße, die daran erinnert, dass es hier eine alteingesessene jüdische Gemeinde gab, die sich aus Gläubigen gebildet hatte, die am Ende des 15. Jahrhun- derts aus Spanien vertrieben worden waren.

DER SPONZA-PALAST

Der Stradun, die Hauptpromenade, endet am Loge-Platz in dem Fuß- gängern vorbehaltenen Stadtkern. Davor steht der 1444 errichtete Uhrturm. Rechts davon befindet sich der Palast des Großen Rates im gotischen Stil, in dem sich heute ein Theater und ein historisches Cafébefinden. Ebenfalls rechts die St.-Blasius-Kirche und ihre Silberstatue, die bei den Prozessionen im Februar verehrt wird. Etwas weiter erhebt sich der Rektorenpalast. Das ist der prunkvollste unter den Palästen der Stadt. Hier residierte der Fürst Dubrovniks; es gab mehrere Amts- zimmer und einen Saal für den Richter von Ragusa. Daneben ragt die Kathedrale im reinen Barockstil auf. Links vom Turm erhebt sich schließlich der Sponza-Palast. Eines der wenigen Gebäude, die vom Erdbeben 1667 weitestgehend verschont blieben. Davon zeugt die intakte Fassade mit ihrer wunderschönen Arkadengalerie im Renais- sancestil. Heute werden im Palast Ausstellungen gezeigt, früher waren darin die Bank und das Zollamt von Ragusa untergebracht. Im Gegensatz zu den Touristen, die die Hauptstraßen belagern, biegen Sie lieber in das Wirrwarr aus kleinen Gassen und Treppen ab, die bis zur Stadtmauer führen. Natürlich haben auch hier viele Cafés, Restaurants und Boutiquen ihren Platz gefunden, aber trotzdem kann man hier am besten beobachten, was vom echten Leben in der Stari Grad (Altstadt) noch übrig ist. Hier eine Frau, die ihre Wäsche aufhängt, dort ein alter Mann, der mit Mühe die steilen Treppen erklimmt, Katzen, die auf den Dächern umherspazieren … Der improvisierte Spaziergang endet schließlich im Hafen. Die Festungen Sveti Ivan und Revelin schützten einst den Hafen, der mit seinen Fischerbooten, die inmitten der Touristenschiffe im Wasser treiben, noch etwas Traditionelles hat.

ROTE ZIEGEL IM GLANZ DER ABENDSONNE

Das beliebteste Ziel bei allen Touristen ist unumstritten die Stadtmauer. Am späten Nachmittag, wenn die Kirchenglocken läuten, wenn die untergehende Sonne die roten Dachziegel auf- leuchten lässt, wenn der Flug der Schwalben die milde Abend- luft ankündigt, dann gibt die zum Museum gewordene Stadt ihre durch die Jahrhunderte geprägte Seele wieder frei und zeigt ihr wahres Gesicht. Das Gesicht einer so oft verwundeten und doch aufrechten, stolzen Stadt. Allein für diesen emotionalen Moment lohnt sich eine Reise nach Dubrovnik.

ANSICHT VON OBEN

Um sich ein Gesamtbild von Dubrovnik zu machen, muss man die Stadt von oben betrachten. Fahren Sie zur Insel Lokrum, die mit dem Boot nur 10 Minuten entfernt ist. Vom Fort Royal aus, eine von den Franzosen errichtete Festung, bietet sich eine völlig unverbaute Sicht. Noch spektakulärer ist die Aussicht vom Brdo Srđ, dem Sergiusberg. Eine Seilbahn fährt bis zum Gipfel, der sich 412 m über die Stadt erhebt.

PRAKTISCHE REISEINFOS

Hotel: Fernab vom Tumult empfängt das Hotel Zagreb mit sei- nem kleinen Park am Eingang zum Viertel Babin Kuk (westliche Altstadt, mit dem Bus zu erreichen) seine Gäste mit zwanzig Zimmern mit allem Komfort. 

hotelzagreb-dubrovnik.com

Restaurant: Bistrot Revelin. Die Terrasse dieses für seine sehr raffinierte mediterrane Küche bekannten Restaurants bietet — eine freie Sicht auf den Hafen. 

bistrorevelin.com

Café: Zur Mala Buža Bar kommen Sie durch ein Loch in der Stadtmauer. Dahinter breiten sich vor Ihnen Felsen, Meer, Terrassen … aus. Ein magischer Ort für einen Cocktail.

tzdubrovnik.hr

Verfasser : PHILIPPE BOURGET

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